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Das scheint das Motto bei der Neuregelung des Prüfungswesens zu sein. Das Problem dürfte an einem politischen Richtungsstreit zwischen der „schwarzen“ und der „roten“ Reichshälfte liegen.
Prinzipiell wäre ja zu sagen, dass die österreichischen Befähigungsausweise für Segel- und Motorbootfahrer international in etwa jenes Interesse hervorrufen, als ob in China das berühmte Fahrradl umfällt. Aber national sollte man annehmen, dass ein derartiges Thema zügig und mit Fachkenntnis ausgearbeitet und entschieden werden kann. Doch unerwartet gibt es so viele verschiedene und unterschiedliche Interessensgruppen, die jede mit ihrer Lobby versuchen ihre Vorstellungen und ihre Vorteile durchzusetzen. Das der MSVÖ und der OeSV ihre Bastionen die sie seit Jahren behaupteten auch weiterhin behalten wollen, das ist der Sache nicht dienlich, aber noch zu verstehen. Das der VKSÖ versucht mit seinen Scheinen wieder "ins Geschäft“ zu kommen", denn die amtlichen Scheine mit ihrem Bundesadler haben schon ein wenig mehr ins Auge gestochen als früher und sind als Fahrtberechtigung in den Händen der österreichischen Skipper doch aufgefallen. Das hat den Umsatz der oberösterreichischen Scheine wahrscheinlich geschmälert.
Das BMVIT und die großen österreichischen Sportverantwortlichen wie Sportministerium und die Bundes Sport Organisation (BSO) waren sich einig, dass die Erlangung von Befähigungen im Freizeitsportbereich wie sonst auch immer in Österreich, in den Händen der Sportverbände bleiben sollte. Natürlich nicht mehr und ausschließlich mit jener Exklusivität für OeSV und MSVÖ ausgestattet, wie dies in den letzten Jahren der Fall war. BMVIT und BSO sind der „roten“ Reichshälfte zuzuordnen. Da wir eine Koalitionsregierung haben, ist ein neuer Gesetzesentwurf auch dem Koalitionspartner vorzulegen.
Jetzt kommt die Wirtschaftskammer ins Spiel. Auf einmal waren in so ziemlich allen gewerblichen Segel- und Seefahrtsschulen vom Bodensee bis zum Neusiedlersee viele Arbeitsplätze gefährdet und der Fremdenverkehr würde in Österreich ja komplett zusammenbrechen, wenn man dieses Prüfungswesen und die amtlichen Scheine nicht richtig und sachkundig organisiert und administriert. Da tauchte dann die antliche Via Donau Lösung auf. Viele Bürgermeister, Gemeinderäte und noch mehr andere Politiker wurden mobilisiert um Lobbying zu betreiben. Von der Wirtschaftskammer wurde dann über das „schwarze“ Finanzministerium der Begutachtungsentwurf mit besonderen Auflagen an das BMVIT retourniert. In Gesprächen mit dem BMVIT hat dann die Wirtschaftskammer dem BMVIT und der Obersten Schifffahrtsbehörde „erklärt“ unter welchen Umständen und mit welchem Inhalten ein Gesetzesentwurf ausgestattet sein muss, damit auch der Koalitionspartner seine Zustimmung gibt und man dieses leidige Problem endlich lösen kann. Diese Lösung schließt nun vorallem auch die Möglichkeit einer Prüfungstätigkeit der gewerblichen Schulen für ihre eigenen Kandidaten mit ein!
Dass das BMVIT, in dem man seit Monaten an einer Lösung und dem Gesetzesentwurf gearbeitet hat, darüber nicht sonderlich entzückt war und ist, da man die „Arbeit diktiert bekommt“, ist menschlich verständlich.
Der Begutachtungsentwurf sollte schon veröffentlicht sein, ist es aber noch nicht. Warum das bisher noch nicht geschehen ist, kann man nur mutmaßen. Sicher ist, dass egal was nun zur Begutachtung veröffentlicht wird, in erster Linie mit einer politischen Entscheidung zu tun hat und erst in zweiter Linie sachlichen Kriterien unterliegt. Die gewerblichen Schulen haben sich mit kräftiger Hilfe durch die Wirtschaftskammer in die Poleposition des Freizeitsport-Prüfungswesens reklamiert.
Über die möglichen Inhalte dieses Gesetzes wird schon in vielen Foren heftig diskutiert.
Im Prinzip ist es möglich, dass sich eine Ausbildungsstätte selbst prüft und den Kandidaten die Befähigungsausweise ausstellt. Es gibt hier keine Regeln der Unvereinbarkeit, wie es sie, z.B. im Bereich der Gerichtssachverständigen, gibt.
Wohin wird das führen? Ich denke, viele verkaufen lieber die Führerscheine (schneller, einfacher und billiger) als sich darum zu bemühen die interessierten Segler- und Motorbootfahrer einer guten Ausbildung zuzuführen!


Österreichische Führerscheine für Segel- und Motorboot, 2012
07.01.2012 - 14:16:44 Uhr
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