Revier | 20.09.2008 - 16:33:23

Bordhund Till und seine Crew von der "Golden Tilla", Uli und Lazi, haben Französisch Polynesien verlassen und machen auf Samoa Zwischenstation vor dem Sprung nach Tonga und Neuseeland. Till freut sich blumenbekränzt seines Hundelebens, weil er endlich wieder offiziell an Land darf - und berichtet exklusiv für OCEAN7 Online.
Hallo Leute,
Also ich kann Euch sagen, ein Stein (eher ein großer Felsen) ist mir von Herzen gefallen: Mein Frauchen hat all die Schweinsohren, Rinderlunge und Hundestangerl, die ich bei ihr bestellt habe, wirklich von zu Hause mitgebracht! Ich war nämlich in Sorge, dass ihr der amerikanische Zoll die Sachen wegnimmt, weil sie über Los Angeles geflogen ist. Zum Glück hat sich niemand für ihr Gepäck interessiert, Herrchen hat sich auch über Speck und Mannerwafferl gefreut (die mag ich übrigens auch sehr gern). Der Gedanke, dass sie ihr all die feinen Sachen wegnehmen könnten, hat mich schon sehr belastet, wahrscheinlich habe ich ein paar weiße Haare mehr bekommen dadurch. Aber jetzt freue ich mich, dass sie wieder da ist!
Was Hunde anbelangt, haben die schon eine Meise hier in Französisch Polynesien: Ich darf offiziell nicht an Land, obwohl Herrchen mit allen meinen tollen Papieren beim Veterinär war und sogar eine Tierärztin vom Ministerium zu uns an Bord gekommen ist. Wisst Ihr, was die als erstes gemacht hat? Mich mit Flohpuder eingestaubt! Mich, einen der gepflegtesten und saubersten Bordhunde! Also, ich war empört, die soll mal die einheimischen Hunde einstauben, die sich ständig kratzen. Ich war nur deshalb noch freundlich zu ihr, weil ich dachte, dann bekomme ich die Erlaubnis, von Bord zu gehen. Aber denkste! Sie hat mir noch ein paar neue Impfungen hineingedrückt, dann gemeint, jetzt wäre alles ok, ich dürfte raus. Was glaubt Ihr, wie ich mich gefreut habe! Bei Durchsicht unserer Papiere hat sie jedoch festgestellt, dass wir am 26.März in Panama ausklariert haben. Leider, sagt sie, ich darf erst am 26. September raus, ein halbes Jahr nach Panama! Super, da sind wir längst woanders! Na ja, aber eigentlich schwimme ich ja eh lieber als ich spazieren gehe, so darf ich halt täglich schwimmen. Aber damit ich für Neuseeland alles habe, wird noch ein Bluttest gemacht und an ein australisches Labor eingeschickt. Das Ergebnis haben meine Leute dann direkt an die zuständige Stelle in Neuseeland gesandt, ganz schön aufwändig (teuer übrigens auch), nicht?

Begegnung mit dem Falken: Luxussegler Maltese Falcon

Und jetzt alles aus Tills Perspektive
Als wir das alles erledigt und noch ausgiebig gebunkert haben, segeln wir zuerst einmal zur Nachbarinsel Moorea in die Cooks Bay. Dort treffen wir die Maltese Falcon, die derzeit zu kaufen wäre. Obwohl viel Wind angesagt ist, liegt man hier absolut ruhig. Wir bleiben einige Tage, Freunde von uns sind auch da, meine Leute erkunden die Insel, ich schwimme fleißig, obwohl das Wasser recht kalt ist. Als der Wind nachlässt, segeln wir über Nacht nach Huahine (ca.80 sm) in den Hauptort Fare, wo es uns sehr gut gefällt. Hier ist gerade ein landwirtschaftlicher Wettbewerb, wer die größten Tarowurzeln hat. Außerdem gibt es eine hübsche Seglerbar mit Restaurant direkt beim Dingianleger. Sehenswert sind die Kultstätten aus der Frühzeit, die alten Fischfallen (werden noch heute verwendet), die Vanilleplantagen, die blauäugigen großen Aale und die Farben des Wassers an den schönen Stränden. In Fare besucht uns der französische Zoll an Bord, wir füllen wieder einmal Formulare aus, die Beamten sind sehr freundlich, dafür küsse ich ihnen auch die Füße, was sie aber etwas irritiert.
Als nächstes geht es nach Tahaa und Raiatea, wo wir uns von unseren amerikanischen Freunden verabschieden, die hier ihr Schiff in der Carenage an Land stellen und heim fliegen. Die Werft und der Abstellplatz sehen fürchterlich aus, auch der Kran ist nicht gerade Vertrauen erweckend. Wir sind froh, unser Schiff nicht hier lassen zu müssen. Umfeld git es auch keines, für unser Abschiedsdinner wandern wir 20 Minuten in die nahe Marina, wo ein kleines Restaurant geöffnet hat. Sonst ist da auch tote Hose, nur eine Charter-Basis gibt es hier. In Tahaa nehmen wir eine Boje vom sogenannten Yachtclub (ist aber kein Club sondern ein Restaurant), die kostet nichts , wenn man zum Dinner geht, das zwar teuer, aber exzellent ist. Das kann ich nur bestätigen, da das Thunfisch-Steak soviel ist, dass ich auch ein ordentliches Stück davon abbekomme.
Unsere letzte französische Insel ist Bora Bora, hier gibt es ebenfalls einen „ Yachtclub“ mit Bojen, die teils aber gerade neu aktiviert werden. Es ist leider keine frei, so müssen wir halt auf 25 m Wassertiefe ankern. Es gibt einen Dingisteg, Fahrräder zum Ausleihen, Waschmaschinen, einen Grillplatz und eine Bar. Zwei junge Familien haben die Anlage eben erst neu übernommen und renovieren derzeit. Später soll auch ein Restaurant dazukommen. Auch vor dem berühmten Restaurant Bloody Mary’s gibt es Bojen. Meine Leute machen eine Fahrradtour und genießen noch die letzten Tage in Französisch Polynesien, unsere 3 Monate sind schon fast abgelaufen.

Das Grab eines Lebenskünstlers
Als das Wetter günstig ist, laufen wir aus Richtung Suwarrow (Cook Islands), wo der Neuseeländer Tom Neale von 1952 bis 1977 als Einsiedler gelebt hat, sein Buch „Meine Trauminsel“ („An Island to Oneself“) kennen vielleicht manche von Euch. Die 690sm dorthin haben wir wunderbaren SE-Wind zwischen 10 und 20 Knoten, leider müssen wir „bremsen“ (kleine Segel fahren), damit wir nicht nachts ankommen. Nach 6 Tagen fahren wir am Vormittag durch die spannende Riffeinfahrt (so was regt mich immer fürchterlich auf!) und ankern vor Achorage Island, Tom Neales Insel, wo heute eine Rangerfamilie lebt.

Einklarieren unter Palmen - das macht Spaß
Suwarrow ist ein Naturreservat, der Ranger John, seine Frau Veronica und die 4 Buben leben hier von Ende Mai bis Ende Oktober, werden in dieser Zeit aber nicht versorgt, d.h. sie müssen für diese Zeitspanne alles dabeihaben, was sie brauchen, wenn sie hier vom Versorgungsschiff abgesetzt werden. Veronica trägt jeden Segler in ein Buch ein, kassiert 50,-- US$ und gibt uns die Nationalparkregeln zu lesen. 14 Tage darf man bleiben. In der sogenannten „Yachtecke“ über dem Esstisch der Rangerfamilie hängen die Flaggen der vorbeikommenden Yachten.

Jetzt hängt unser YCA-Stander gleich neben den Seenomaden auf Samoa
Hier finden wir auch die Flagge von den Seenomaden und hängen unseren Stander dazu. Mich wollen sie auch auf den Cook Islands nicht an Land haben, leider ist auch nichts mit Schwimmen, obwohl das Wasser glasklar ist, meine Leute mögen keine Schwarzspitzenhaie. Die sollen hier recht aggressiv sein, jedenfalls schwimmen sie ständig um unser Schiff. Frauchen findet, als Haifischfutter bin ich wirklich zu schade, sie geht nicht einmal selbst schnorcheln, so ein Angsthase ist sie.
Als wir nach 3 Tagen Anker auf gehen, arbeitet unsere Ankerwinsch nicht mehr richtig, na, das kann ja heiter werden. Herrchen hat wieder das richtige Wetterfenster ausgesucht und wir segeln in 4 Tagen die 510 sm bei südöstlichem Wind Richtung Apia/Western Samoa, Dort gib es seit ca. 1 Jahr eine kleine Marina. Man darf seitdem nicht mehr ankern und muss in die Marina gehen. Die ist aber recht preiswert (ca. 10,--US$ pro Tag pro Boot, egal wie groß, einschl. Wasser und Strom): Man muss sich bei der Hafenbehörde vor der Hafeneinfahrt anmelden und wird von einem Schlauchboot abgeholt und auf den Liegeplatz geleitet (stabile Fingerstege), dann kommen nach der Reihe die „Offiziellen“ an Bord, 5 an der Zahl (Veterinär, Marinasekretärin, Immigration, Customs und Health Officer). Eine Menge Formulare müssen ausgefüllt werden, die Beamten sind aber ausgesprochen nett und freundlich. Als erster kommt der Veterinär und fürchtet sich gleich schrecklich vor mir, als ich ihn herzlich willkommen heiße. Na, dann küss’ ich ihn eben nicht! Obwohl er sich’s verdient hätte, ich darf hier nämlich raus! Herrchen hat ihm gleich meinen ganzen Stoß Papiere für Neuseeland einschließlich Blutbefund und meinen EU-Pass mit Foto und Chip gezeigt. Dann entdeckt er im Salon noch mein Buch und ist ganz beeindruckt, dass ich auch noch für eine Segelzeitschrift schreibe. Wahrscheinlich ist er mit den vielen Papieren total überfordert, und um nichts falsch zu machen, bekomme ich die Erlaubnis, von Bord zu gehen (vielleicht fürchtet er eine „schlechte Presse“?). Jedenfalls darf die französische Hündin Sascha, die einen Tag später ankommt, nicht an Land, sie hat allerdings keinen Bluttest. Die sieht sich jetzt immer schrecklich leid, wenn ich in die Wiese zu den Palmen gehe. Also, mir gefällt es hier (die Marina-Wächter begrüßen mich schon mit Namen!), und meinen Leuten auch. Apia ist eine nette Kleinstadt mit relativ guten Einkaufsmöglichkeiten, hübschen Kaffeehäusern, Bars und Restaurants. Die Leute sind ausgesprochen freundlich und die Preise niedriger als in Französische Polynesien.

Uli Fischer am Strand - so läßt es sich leben, meint auch Till
Herrchen macht sich gleich daran, unsere defekte Ankerwinsch zu zerlegen. Zum Glück ist nur ein Dichtring kaputt und das ganze Getriebeöl ist in den Motor der Ankerwinsch gekommen. Die Dichtung erhalten wir hier in der Eisenhandlung und Herrchen kann alles wieder reparieren, hurra! Seit Colon waren wir in keiner Marina mehr, zur Abwechslung gefällt uns das recht gut, Wasser und Strom jederzeit zur Verfügung zu haben. Großes Saubermachen ist angesagt, ich falle der Putzsucht auch zum Opfer und werde täglich mit dem Schlauch geduscht (ist aber eh recht erfrischend). Die Wäsche kommt in die nahe Wäscherei, WIFI haben wir an Bord, sogar ein großes Fest ist von Montag bis Freitag, mit Langboot-Ruderbewerben, Musik, Tanzshows und Standlmarkt.

Die typischen Langboote in der Lagune
Bei der Inselrundfahrt sieht man, wie ursprünglich die Samoaner am Land noch leben. Es gibt unzählige Dörfer, jedes davon hat einen „Matai“, das ist der Chef (wohl so ähnlich wie bei uns der Bürgermeister). Sie leben in Großfamilien, meist in offenen Häusern, haben viele Kinder, Kirchen und Schulen sind zahlreich, Schulpflicht ist 8 Jahre von 5 – 13J., es gibt auch weiterführende Colleges und Unis. Viele junge Leute wandern nach Neuseeland aus, weil sie in Samoa zu wenig Arbeitsmöglichkeiten haben.
Wir genießen jedenfalls unseren Aufenthalt hier, aber in den nächsten Tagen geht es weiter nach Tonga.
Euer fleißig Palmen markierender
Till
Thomas D. Dobernigg für OCEAN7 Online
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