
Zehn Mal größeres Tsunami Risiko
Ocean | 16.10.2010 - 07:08:45

Ein Expertenteam aus amerikanischen und haitianischen Geologen untersuchte nach dem großen Erdbeben in Haiti im Jänner 2010 die Unterwassertopografie der betroffenen Region und erkannte, dass die Gefahr für katastrophale Tsunamis wesentlich höher ist als bisher allgemein angenommen.

Untersuchungen des Meeresgrundes in der, durch das große Erdbeben von Haiti Anfang des Jahres verwüsteten Region alarmierten die Forscher eines Geologenteams, das auf der Suche nach den Ursachen für die schweren Erdstößen war. Bei dem Beben und an den Folgen starben über 300.000 Menschen. Auslöser war eine geologische Störung zwischen der karibischen und der nordamerikanischen Platte, die in Fachkreisen auch Strike-Slip-Verwerfungen genannt wird. Bisher galten Verschiebungen zwar als häufige Erbebenursachen, nicht aber als zwingender Auslöser von Tsunamis. Die Wissenschaftler kamen auf Grund ihrer Untersuchungen zu dem Schluss, dass hier nicht das Beben selbst sondern Hangrutschungen der eigentliche Auslöser der Riesenwellen waren. Kommt es zu einer Kombination aus einem solchen Beben und steilen Abhängen auf dem Meeresgrund, kann es zum Abrutschen von großen Sedimentmassen kommen, die dann, wie im Fall von Haiti bis zu neun Meter hohe zerstörerische Tsunamis auslösen können. Anhand der Messdaten und nach der Analyse historischer Dokumente errechneten die Forscher eine zehn Mal höhere
Tsunamigefahr für die Region um Haiti. Bestürzend ist laut dem Leiter des Geologenteams nicht nur, dass das Risiko bisher deutlich unterschätzt wurde, sondern auch der Umstand dass auch andere Küstenstädte und Millionenmetropolen auf die gleiche Weise gefährdet sind. Weltweit liegen mehrere Weltstädte in Regionen, in denen sich vergleichbare geologische Verwerfungen und steile Abhänge unter der Meeresoberfläche befinden. Diese brisante Kombination trifft zum Beispiel auf Los Angeles, der zweitgrößten Stadt der USA, für Kingston, die Hauptstadt Jamaika sowie für Istanbul mit seinen über zwölf Millionen Einwohnern zu. Beängstigend ist auch die Tatsache, dass es, um eine derartige Hangrutschung und eine Tsunami auszulösen nicht einmal eines besonders starken Bebens bedarf, sondern schon relativ geringe Erdstöße ausreichen, um eine gewaltige Katastrophe herbeizuführen.
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