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Expedition ins Reich der Nordpolarlichter

People | 11.01.2012 - 07:03:03

Der junge Grazer Ansgar Fellendorf fuhr mit dem südafrikanischen Abenteurer Mike Horn auf der 105 Fuß Segelyacht PANGAEA in die kanadische Arktis. Hier die persönlichen Eindrücke von der abenteuerlichen Reise.

Der südafrikanische Abenteurer Mike Horn lädt seit 2008 Jugendliche aus aller Welt zu Expeditionen in die abgelegensten Winkel der Erde ein. Diesen Sommer war der 18-jährige Grazer Ansgar Fellendorf in der kanadischen Arktis mit an Bord der 105 Fuß Segelyacht PANGAEA. Sie muss sich sowohl in den eisigen Polarregionen als auch in tropischen Flüssen wie dem Amazonas bewähren. Keine europäische Werft stimmte zu, die Entwürfe in dem knappen Zeitrahmen von einem Jahr und mit dem vergleichsweise geringen Budget verwirklichen zu können. Da fand Mike Horn kurzfristig eine vielversprechende Alternative: Die Segelyacht entstand in den Favelas von Brasilien. Der Bau sorgte in diesem Zeitraum für den Lebensunterhalt von 200 brasilianischen Familien. Auch sonst ist die 35Meter lange, ketchgetakelte PANGAEA kein alltägliches Boot. Sie setzt Maßstäbe in umweltbewusstem Segeln, der Rumpf besteht aus reinem wiederverwertbarem Aluminium, auf Farbe wurde der Umwelt zuliebe verzichtet, Solarpanels und ein Generator sorgen für Strom an Bord. Zusätzlich zu den 593m² Segelfläche treiben zwei Mercedes-Benz Bluetec Motoren mit einer Gesamtleistung von 880 PS die Yacht an.

Im Jahr 2008 begann die PANGAEA, im Zuge des gleichnamigen Projektes die Welt zu umsegeln. Mike Horn und die Sponsoren luden aus aller Welt junge Menschen unter 20 ein, sich für eine Expedition zu bewerben. Startpunkt war die Antarktis.

Ansgar Fellendorf: „Ich darf mich zu den glücklichen Teilnehmern der Neunten Nunavut Expedition schätzen. In Clyde River (70°N) in der kanadischen Provinz Nunavut trafen wir, eine insgesamt 20-köpfige Besatzung, die Segelyacht. Nach einer Einführung in die Segel-Grundlagen setzten wir Kurs Richtung Norden. Ich lernte, dass das Grinden bei einem so hohen Mast viel Kraft kostet. Wir kamen ins Schwitzen und Keuchen, bis das Main-Segel oben war. Als wir aus dem schützenden arktischen Fjord herausfuhren, erwarteten in der Davis Strait prompt dutzende schwimmende Eisberge. Im Tageslicht waren sie wunderschön anzuschauen, jeder beeindruckte mit einer neuen Form und Farbe. In der Dunkelheit bekamen wir aber auch die andere Seite der aus Grönland kommenden Eisberge zu spüren. Große Eisberge wurden vom Radar angezeigt, doch die vielen kleinen Bruchstücke nicht. Diese wirken auf den ersten Blick oft ungefährlich, doch wie ihre großen Brüder verstecken auch die Kleinen den Großteil ihrer Masse unter Wasser. Nur ein Zehntel des Eises kann man sehen. Während der zweistündigen Wache lag also die Verantwortung für das ganze Boot auf den Schultern des dreiköpfigen Watchteams.

Zum Glück kamen wir sicher im Sam-Fjord, einer von Hunderten auf der Baffininsel, an. Auf dem Weg hatten wir das Glück, einen wilden Eisbären direkt neben PANGAEA schwimmen zu sehen und Grönlandwale aus der Ferne zu sichten. Auch wenn man nicht gerade Ausschau nach Eisbergen hält oder eines der fünf Segel reffte, wurde einem an Bord nicht langweilig. Denn der Gemeinschaftsraum lädt zum Verweilen und Chatten mit anderen ein. Oder wir waren eine Ebene tiefer in der geräumigen Küche beschäftigt. Wenn das Boot von den bis zu 5m Wellen hin und her geschaukelt wurde, gestaltete sich das Kochen zwar schwierig, aber dank praktischer Sicherungen nicht unmöglich. Neben Küche und Esstisch befinden sich auf der Ebene insgesamt sieben Kabinen. Alles ist mit brasilianischem Ebenholz verkleidet und mit neuester Unterhaltungstechnik ausgestattet.

Nach einer Gletscherüberquerung machten wir uns während der Expedition auf den Weg bis nach Iqaluit, ein wenig südlich vom Polarkreis. In den drei Wochen legten wir, unterbrochen durch einige Landexkursionen, knapp 1000 nautische Meilen zurück. Das Wetter hielt dabei einige Überraschungen parat. Der Wind drehte sich von NW nach Süden, um dann von Osten zu kommen. Im Logbuch notierte ich manchmal 8/8 Bewölkung, und am nächsten Morgen konnten wir strahlenden Sonnenschein genießen. Während der gesamten Fahrt in der Davis Strait trafen wir kein einziges weiteres Boot an, uns umgaben nur Robben, Wale, Vögel und Eisberge. Kein Wunder also, dass die Inuit in Qikitarjuaq alle an den provisorischen Hafen rannten, als wir dort für zwei Tage vor Anker lagen. Die Frequentierung westlich von Grönland kann sich aber in den nächsten Jahren ändern, sollte die Nordwestpassage mit dem schrumpfenden Meereis bald schiffbar werden. Noch ist es nicht so weit und wir konnten ohne eine Menschenseele um uns herum die Schönheit der dortigen Natur genießen. Besonders beeindruckten mich die Nordpolarlichter. Bei vollständiger Dunkelheit begannen die Schleier, am Himmel sich intensiv grün zu färben und zu pulsieren. Der halbe Sternenhimmel war mit Lichterschleiern überzogen, die umher tanzten, fast als wollten sie Geschichten erzählen. Mit offenen Mündern starrten wir über eine Stunde in den Himmel, bis der Nacken schmerzte.

In der Frobisher Bay mussten wir schließlich beim Navigieren wieder genau achtgeben. Die Eisberge waren zwar weniger geworden, doch die Seekarten von Nunavut sind noch nicht sehr detailliert. Es lauerten zwischen den vielen kleinen kargen Inseln Steine und Felsbrocken. Zusätzlich erfuhren wir Winde von fast 50 Knoten und starken Wellengang. Die Segel wurden auf halbe Höhe gerefft. Die unerfahrenen Segler unter uns wurden ausnahmslos seekrank. Der Seegang und der Wind rissen in der Nacht die Verankerung, an der das Dingy befestigt war, vollständig heraus. Um die Situation noch ungemütlicher zu machen, hielt der schwere Anker nicht. Nach zweieinhalb Stunden musste er um fünf Uhr nachts erneut gesetzt werden, das Boot war über fünf Seemeilen abgedriftet.
Am nächsten Tag segelten wir mit der Strömung wieder in Richtung Iqaluit, unserem Abflugort. Nach drei Stunden wurde der Motor gedrosselt, das Boot langsamer. Wir waren fast über unser Dingy gefahren! Die Strömung hatte es zufällig direkt in unseren Kurs getrieben. Ein letzter Beweis, dass auf der PANGAEA außergewöhnliche Dinge passieren.

Text Ansgar Fellendorf

Bilder Dmitry Saromov & Mike Horn

Weitere Informationen www.mikehorn.com

 


 

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