
Lärmexperimente gefährden Wale
Ocean | 24.01.2012 - 08:33:45
Forscher des deutschen Alfred-Wegener-Institutes führen derzeit Experimente in der Antarktis durch, die von den Tierschutzorganisationen WDCS und WWF scharf kritisiert werden.
Bei den umstrittenen Untersuchungen handelt es sich um sogenannte seismische Explorationen. Mit sogenannten Airguns, einer Art Schallkanone, werden Explosionen mit extrem lauten Schallwellen von bis zu 260 Dezibel erzeugt. Die Umweltschützer schätzen, dass der entstehende Schalldruck mehr als 10.000-mal so groß wie der eines Preßlufthammers in einer Entfernung von einem Meter Abstand ist. Die Schallwellen dringen mehrere Kilometer tief in den Meeresgrund ein und geben durch die Echos Aufschluß über die Bodenstruktur und zeigen eventuelle Erdöl- und Gasvorkommen unter dem Meeresgrund. Karsten Brensing von der Whale and Dolphin Conservation Society WDCS berichtet, dass das Alfred-Wegener-Institut zwar zugesagt habe, auf die Airguns zu verzichten, statt dessen werden die Experimente aber jetzt mit einer russischen Genehmigung durchgeführt. Mit diesem Wortbruch untergräbt das Institut
internationale Umweltschutzbemühungen. „Wie soll Umweltschutz glaubhaft vermittelt werden, wenn eine staatliche Stelle die andere austrickst?", kritisiert der Bioakustiker und Meeresbiologe Dr. Karsten Brensing von der WDCS das Vorgehen des Alfred-Wegener-Institutes. „Der Höllenlärm unter Wasser wird kilometerweit übertragen und kann bei Walen und Robben massive Gehörschäden verursachen“, warnt Stephan Lutter, Meeresschutzreferent beim WWF Deutschland. „Gerade Wale seien auf ein intaktes Gehör für Nahrungssuche Paarung und Kommunikation angewiesen. Unterwasserlärm gilt als eine mögliche Ursache für die immer wieder beobachteten Strandungen von Meeressäugern“.
Sprecher des Alfred-Wegener-Institutes beziehen zu den Vorwürfen Stellung und entgegnen, dass nur zwei Mitarbeiter des Institutes an einer russischen Expedition, die Bestandteil eines russischen Forschungsprogramms ist, teilnehmen. Die zwölf Ozean-Boden-Seismometer, die ausschließlich seismische Signale aufzeichnen, erheben nur geophysikalische Daten der ohnehin laufenden Messungen des russischen Partner-Instituts, dem solche Messgeräte nicht zur Verfügung stehen. Außerdem werden großvolumige Airguns bei dieser Expedition nicht eingesetzt. Bei dem Ziel der seismischen Experimente handelt es sich
um Forschung zur Kontinentaldrift und nicht um Exploration von Gas- und Erdölvorkommen. Zudem weist das Alfred-Wegener-Institut darauf hin, dass Gehörschäden bei Walen nur zu befürchten sind, wenn sich Tiere in unmittelbarer Nähe der Airgun befinden und diese abgeschaltet oder gar nicht erst in Betrieb genommen werden, wenn Wale im weiteren Umfeld des Forschungsschiffes gesichtet werden. Die Strandung von Walen wird nicht mit Airguns in Verbindung gebracht, sondern mit dem Einsatz von militärischen Mittfrequenzsonaren, die zur U-Boot Jagd verwendet werden.
Stellungnahme des Alfred-Wegener-Institutes
Quelle WDCS Deutschland und Alfred-Wegener-Institut
Bilder Rob Lott/WDCS & AWI
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