
Am 18. März 1978 verursachte das Auflaufen des Supertankers AMOCO CADIZ auf einen Felsen vor der bretonischen Küste eine Ölpest gewaltigen Ausmaßes. Das Unglück wurde durch orkanartige Stürme, eine Verkettung ungünstiger Ereignisse, fehlgeleiteter Kompetenzen und Fehleinschätzungen verschuldet.

Die AMOCO CADIZ fuhr unter liberianischer Flagge für einen US Amerikanischen Ölkonzern. Der als erfahren geltende Kapitän Pasquali Bardari steuerte den voll beladenen Supertanker auf seiner Route, die ihn um das Kap der guten Hoffnung führte in das Verkehrstrennungsgebiet des Ärmelkanals. In dem vielbefahrenen Revier herschten zu dieser Zeit orkanartige Stürme mit über sieben Windstärken. In dieser heiklen Situation versagte die Ruderanlage wegen einer gebrochenen Hydraulikleitung. Der Kapitän ließ das Schiff augenblicklich stoppen und als manövrierunfähig kennzeichnen, um die anderen Schiffe in der Umgebung auf seine Lage aufmerksam zu machen, wurde auch ein Funkspruch abgesetzt, der auf die gefährliche Situation der AMOCO CADIZ hinweisen sollte. Kurze zeit später eilte ein deutscher Rettungsschlepper, die PACIFIC zur Hilfe, musste für ihre Hilfsmaßnamen aber erst auf die Einwilligung der Schiffseigner aus Chicago warten.

Weil in Chicago zu diesem Zeitpunkt Nacht herrschte, wurde die Erlaubnis erst nach einigen Stunden, und leider viel zu spät gegeben. Durch den zunehmenden Sturm wurde das geplante Abschleppmanöver erschwert und scheiterte schließlich nach dem Bruch der Schlepptrossen. Dem Kapitän der AMOCO CADIZ blieb nun nur noch eine winzige Chance, er versuchte das riesige Schiff durch auswerfen des eigenen Ankers von der drohenden Küste fernzuhalten. Aber selbst dieses radikale Manöver konnte das Abtreiben des Supertankers nicht verhindern. Etwa um 21 Uhr lief die AMOCO CADIZ vor der Küste der Bretagne auf Grund und schlug augenblicklich Leck. Die gesamte Besatzung wurde mit Hubschraubern erfolgreich evakuiert. In der folgenden Nacht brach der Tanker auseinander und gewaltige Mengen Rohöl ergossen sich ins Meer. Das Auslaufen des Öls konnte trotz großer Anstrengungen mittels Ölsperren und Bindemitteln nicht gestoppt werden. Schließlich versuchte die französische Luftwaffe das restliche im Wrack befindliche Öl durch ein Bombardement zu entzünden, und so den Schaden zu begrenzen.

Mit geschätzten 250.000 ausgelaufenen Tonnen Rohöl zählt das Unglück der AMOCO CADIZ zu einer der schwersten Ölkatastrophen der Welt und verschmutzte die Gewässer und die Küsten Nordwestfrankreichs auf mehr als 150 Kilometer Länge. Die betroffenen Gemeinden und die französische Regierung verklagten die Eigner auf umgerechnet etwa 400 Millionen Euro, erst 14 Jahre später wurde weniger als die Hälfte dieses Betrages ausgezahlt, um die Region, die teils irreparable Schäden davontrug zu unterstützen.
