
Das erste wasserstoffbetriebene Elektroboot trägt – wenig überraschend – den Namen Frauscher. Bei der Weltpremiere im Schloss Orth präsentierte man den internationalen Journalisten nicht nur die technisch vollkommen ausgereifte Frauscher 600 Riviera HP, sondern auch gleich ein cleveres Gesamtkonzept für Großkunden.
Geht es um technologische Innovationen im Bootsbau, so führt derzeit kein Weg an Österreich vorbei. Spätestens seit dem sensationellen Erfolg des Hybridprojekts mit Steyr Motors im vergangenen Jahr steht der Name Frauscher als Synonym für die Weiterentwicklung alternativer Antriebskonzepte zu Wasser. Dabei verstand es das Traditionsunternehmen vom Traunsee vorzüglich, einen regelrechten Bootscluster in Oberösterreich zu bilden.
Mit den Unternehmen Fronius und Bitter hat Frauscher auch diesmal zwei leistungsfähige Partner gewonnen – beide Weltmarktführer in ihrer jeweiligen Nische. Während Fronius das weltweit erste TÜV-zertifizierte mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellensystem beisteuert, liefert Bitter gleich zwei praxistaugliche Lösungen für das bisher ungelöste Problem des Wasserstofftanks.

Zunächst aber zum Boot: Die Brennstoffzellen-Variante der Frauscher Riviera ist zwar empfindlich teurer als ihr batteriegetriebenes Pendant (€ 148.300,- netto), bietet bei gleichbleibender Fahrleistung jedoch die doppelte Fahrdauer – unter Volllast etwa vier Stunden! Zu verdanken ist dies dem enormen Wirkungsgrad der Brennstoffzelle. Die zusätzlich vorhandene kleine Batterie dient lediglich zur Abdeckung von Leistungsspitzen. Getankt wird wahlweise per Wasserstoff Tankstelle oder durch den kompletten Austausch einer Wasserstoff-Kartusche. In beiden Fällen ist das Boot nach kaum fünf Minuten wieder voll einsatzbereit.

„Was mich persönlich am meisten fasziniert ist die Tatsache, dass wir als Bootsbauer die Energie für den Antrieb aus unserem ureigensten Element gewinnen – dem Wasser“, so Projektleiter Michael Frauscher im Gespräch mit OCEAN7. Obwohl das Wasserstoff-Modell TÜV-geprüft und damit ab sofort für jedermann zu kaufen ist, zielt Frauscher damit „zu 99 Prozent“ auf gewerbliche Kunden ab. „Vor allem die noch recht teure Infrastruktur rechnet sich erst ab mehreren Booten“, so Michael Frauscher, der bei der Premiere auch gleich eine fertige Betriebskostenkalkulation für Bootsvermieter oder Hotel-Ressorts anbieten kann. „Am sinnvollsten ist der Betrieb mehrere Boote und einer eigenen Zapfsäule – wobei die Energie für die Herstellung des Wasserstoffs möglichst CO2-neutral – etwa mittels einer Fotovoltaik-Anlage – kommen sollte.“ Erste Gespräche mit potenziellen Abnehmern laufen bereits erfolgreich.
Text Florian T. Mrazek, Bilder Heiko Mandl
