
Service | 06.11.2008 - 12:09:15

Den Freediver ist für Seefahrer, die sich unabhängig unter ihrem Schiff bewegen wollen, eine ernst zu nehmende Alternative zur Tauchausrüstung mit Flaschen. Obendrein ist für den Freediver keine Tauchausbildung notwendig.

Tauchen mit dem gelben Druckkochtopf
Vorurteile sind immer ein Zeichen für einen Mangel an Vernunft. Wusste ich und hatte sie trotzdem. Als Tauchlehrer und leidenschaftlicher, bekennender Doppelflaschentaucher bekam ich die Möglichkeit, ein Gerät zu testen, das sich „Freediver” nennt.
Eine an einen aufblasbaren Schwimmreifen erinnernde Boje, die den Kompressor über Wasser hält. Ein Schlauch, der mit Gardena-ähnlichen Verbindungen die Luft in eine Tiefe von ca. 8 Metern pumpt. Ein akkubetriebener Kompressor, der in einem gelben Gehäuse sitzt, das wie ein Druckkochtopf aussieht. Ich hatte eine Woche Zeit, das Gerät bei idealen Bedingungen zu testen – und schob es immer wieder hinaus. Gegen Ende des Törns fielen mir keine Begründungen mehr ein, mich länger davor zu drücken. Das Wasser war warm, die Wellen nicht nennenswert und auch die Quallen hatten offenbar gerade in einer anderen Bucht etwas zu erledigen. Meine Bedenken, mich dieser Erfindung anzuvertrauen, konnte ich aber doch nicht vollständig vergessen. Mit der etwas schmal geratenen Beschreibung in der einen und den Einzelteilen in der anderen Hand (es wird kein Werkzeug benötigt) montierte ich den Freediver innerhalb weniger Minuten. Aus Sicherheitsgründen und um das Fotografieren leichter zu machen, knüpfte ich eine Sicherheitsleine zwischen die Boje und unser Boot. Also rein ins Wasser und los geht’s! Einschalten – Brummen - erster Eindruck – keine Luft! Ach ja, der Speichertank muss sich erst füllen (hab ich wohl in der Anleitung übersehen, erscheint mir aber jetzt logisch). Und dann geht es los. Der erste Atemzug fühlt sich wirklich wie aus einem mir bekannten Tauchgerät an. Ich versuche abzutauchen, schwimme aber wie ein Korken an der Oberfläche. Zu wenig Blei! Mein Fehler. Die handlichen Softbleisäckchen liegen aber schon auf der Badeplattform bereit, sind schnell in den Gurt eingefügt und belasten eigentlich gar nicht. Ein kurzes, heftiges Ausatmen hilft beim Überwinden des ersten Meters, das Motorengeräusch des Kompressors wird leiser und ich tauche wirklich schwerelos, lasse mich in geringer Tiefe ein wenig schweben und genieße die Freiheit unter Wasser, die vom Hersteller versprochen wurde.

Ungewohnt, aber nicht störend ist für mich das Fehlen eines unabhängigen Tarierungssystems (Jackets). Das Atmen fällt trotz des sehr einfachen Atemreglers leicht und auch der neun Meter lange Verbindungsschlauch stellt erstaunlicherweise kaum eine Behinderung dar. Vorsichtig schwimme ich in zwei Meter Tiefe den Rumpf unseres Bootes entlang. Nachdem ich mich an die Eigenart, nur über die Lunge zu tarieren, gewöhnt habe, mache ich mich daran auch das andere Spielzeug auszuprobieren. Leider verfügt unser Charterschiff über keinen mit Seepocken verkrusteten Rumpf und ich kann die reinigende Wirkung des Kettenhandschuhs nicht wirklich testen, nur am Linecutter unserer Schraubenwelle zeigt er seine hervorragende Schutzwirkung gegen Schnittverletzungen. Sehr beeindruckt hat mich ein weiteres Helferlein, das als großer Saugnapf mit stabilem Handgriff auf glatten Flächen unglaublichen Halt bietet und die Arbeit unter Wasser erheblich erleichtert. Eine festere Verbindung kann ich mir nur geschraubt oder geschweißt vorstellen. Fast hätte ich in meiner Begeisterung für die unbeschwerte Freiheit unter Wasser vergessen, wenn ich schon nass bin, gleich auch nach dem Anker zu sehen. Nach dem Lösen der Sicherheitsleine folgt mir die Freediver-Boje mit ihrer kleinen Taucherwarnflagge wie ein gut erzogenes Hündchen. Beim Abtauchen in größere Tiefen als 2–3 Meter kann es sein, dass der Atemkomfort in Maximaltiefe etwas abnimmt (kann auch an der Einstellung des Atemreglers liegen, ich wollte aber nicht an einem Leihgerät herumschrauben).

So! Anker liegt perfekt eingegraben im schwarzen Sand vor Stromboli, die Quallen scheinen auch wieder unsere Nähe zu suchen und ich verlasse das Wasser, um eine Lektion zum Thema Vorurteile reicher.

Preis: ab 1.395 Euro.
Bezugsquelle www.freediver.de
Und auf der VIENNA Boat Show Halle D Stand-Nr. D0602
Gernot Weiler für OCEAN7 Online
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