
Nach zwei unfreiwilligen Ruhetagen konnte vor Kiel wieder gesegelt werden. Österreichs Segel-Asse sorgen an der Kieler Förde weiterhin für Gesprächsstoff - die Weltklasseleistung des Quintetts kommt auf dem Papier allerdings nur teilweise zum Ausdruck.
Andreas Geritzer zieht an vierter Stelle liegend ins Medal Race ein, wo ein wahrer Krimi zu erwarten ist. Matthias Schmid und Florian Reichstädter verbuchen einen ihrer wohl genialsten Segeltage, liegen auf Medal Race Kurs, müssen allerdings noch die Frühstartentscheidungen der Jury und entsprechende Proteste abwarten.
Nach zwei Flautentagen kam endlich wieder Bewegung in die Kieler Woche, deren 127. Auflage bis dato unter eher bescheidenen Windverhältnissen litt. Am insgesamt vierten Renntag wurde auf allen Bahnen gesegelt, in sämtlichen Klassen kamen zumindest drei Wettfahrten zu Stande. Österreichs Team agiert bei der weltgrößten Segelsportveranstaltung - mit über drei Millionen Besuchern auch das größte Sommerfest Nordeuropas - neuerlich sehr stark.

Allen voran Andreas Geritzer (31), der in seinem zweiten Wettkampf nach den China-Spielen bisher groß auftrumpft. Nach mittlerweile fünf Wettfahrten rangiert der zweifache Familienvater unter 153 Teilnehmern auf Platz vier. Von Neo-Trainer Jürgen Brandstötter scheinbar perfekt eingestellt, segelte der Neusiedler auf die Ränge vier und zwei, in Durchgang drei musste der 31-Jährige wegen einer Frühstart-Disqualifikation vorzeitig die Segel streichen. „Ich habe einfach ein gutes Gefühl und viel Spaß an meiner Arbeit. Mit Ausnahme des letzten Starts bin ich sehr konzentriert und ruhig an die Sache herangegangen, mein Ziel, mich punkto Bootsgeschwindigkeit auf den Vorwindkursen zu steigern, konnte ich ebenfalls erfolgreich umsetzen.“ Weniger positiv äußert sich der Lasersegler über die Wettfahrtleitung, deren schiefe Startlinie den Frühstart regelrecht provoziert hat. „Alle starten auf der bevorzugten Seite, die Frage ist immer nur wenn die Jury sieht und wer verdeckt bleibt.“
Geritzers Sparringpartner Matthias Sailer (18), mit Rang vier fulminant in die Serie gestartet, schlug sich auch heute beachtlich und liegt zwischenzeitlich an 43 Position. Der Salzburger Schüler, einer der jüngsten Teilnehmer im Feld und von vielen Experten völlig zu Recht als heiße Zukunftsaktie bezeichnet, kann mit seinem erst zweiten Weltcupauftritt durchaus zufrieden sein. „Es ist beachtlich mit welcher Ruhe der Bursche zu Werke geht, wir werden mit Matthias noch viel Freude haben“, ist auch OESV-Sportdirektor Georg Fundak voll des Lobes.

Matthias Schmid und Florian Reichstädter, die in der 470er Klasse vor Kiel laut Fundak „die Serie ihres Lebens segeln“, schwanken im Moment zwischen Himmel und Hölle. Mit den Plätzen zwei, acht und eins sensationell unterwegs, hat eine Disqualifikationen wegen Frühstarts in der dritten Wettfahrt das geniale Werk ein wenig zerkratzt. Zwischenzeitlich auf Rang sechs positioniert, droht den beiden Wienern allerdings noch mehr Ärger, denn auch im ersten Durchgang droht eine Frühstart-Disqualifikation, womit das Medal Race außer Reichweite wäre. „Wir sind in dieser Wettfahrt laut Videobeweis aus der dritten Reihe, also sauschlecht gestartet“, erinnert sich Schmid, der Geritzers Kritik nachvollziehen kann. „Wenn die Startlinien schief liegen ist ein Gemetzel die logische Konsequenz. Für die Jury ist es eine Sekundenentscheidung, da geht es weniger um die richtige Peilung, sondern vielmehr darum wen sie überhaupt sehen.“ Auf die seglerische Leistung angesprochen zeigt sich das Duo naturgemäß zufrieden. „Wenn dir deine Gegner gratulieren sagt das wohl alles, ich kann mich nicht erinnern wann wir zuletzt so einen genialen Tag hatten.“

Florian Raudaschls Tag begann mit Rang zehn ebenfalls sehr erfreulich, mit zwei 26. Plätzen büßte der Wolfgangseer aber ein wenig zu viel an Boden ein. Nach vier Wettfahrten an 12. Stelle, findet das Medal Race der Finn Klasse ohne den Österreicher satt, fix ist hingegen der Medal Race Antritt von Andreas Geritzer auf den ein wahrer Krimi wartet. Aufgrund der geringen Wettfahrtsanzahl und der knappen Punkteunterschiede ist für den Neusiedler zwischen Platz eins und zehn alles möglich. Die Kieler Woche wird für die olympischen Disziplinen beendet, anschließend folgen die Entscheidungen der internationalen Bootsklassen.
Zwischenstand LASER, 153 Teilnehmer, 5 Wettfahrten :
1. Paul Goodison GBR 5 (1, 1, 1, 1, (1)
4. Andreas Geritzer AUT 11 (2, 3, 4, 2, (OCS)
43. Matthais Sailer AUT 58 (4, 15, 21, 19, (38)
Zwischenstand 470er, 60 Mannschaften, 5 Wettfahrten:
1. Sime Fantela/Igor Marenic CRO 8
6. Matthias Schmid/Florian Reichstädter AUT 15 (3,2, 2, 8, (OCS)
Zwischenstand FINN, 63 Teilnehmer, 4 Wettfahrt:
1. Denis Karpak EST 20
12. Florian Raudaschl AUT 68 (6, 10, 26, 26)
Text und Bilder Dominic Marsano
