
Ocean | 19.07.2009 - 12:24:24

Für das Festland sind heute nahezu flächendeckend detailgenaue Relief- und Bodenkarten verfügbar. Beim Meeresgrund sieht das ganz anders aus. Forscher des NATO Undersea Research Centre in La Spezia, Italien haben jetzt eine neue Kartierungstechnik gefunden, mit der detailgenaue Bodenkarten für große Gebiete erstellt werden können.

Abhilfe schafft nun ein Projekt unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Gaetano Canepa vom NATO Undersea Research Centre in La Spezia. „Für das Militär sind detailgenaue Bodenkarten vom Meeresgrund eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Minenjagd“, erklärt Canepa. Die Bodenbeschaffenheit bestimmt nämlich maßgeblich, ob mit Echoloten, Tauchern oder Delphinen gesucht werden muss und in welchem Zeitraum ein Gebiet geräumt werden kann. „Detailgenaue Bodenkarten vom Meeresgrund sind aber nicht nur für das Militär von Wert“, betont Canepa. „Biologen werden sie neue Einblicke in den Lebensraum Meer geben, Fischern bei der Suche nach lohnenden Fanggründen helfen und Bauingenieuren die Planung von Bauvorhaben im Meer erleichtern.“
Canepa nutzt für seine Bodenkarten die Echos der Echolote, mit denen die Reliefkarten erstellt werden. Das sind Instrumente, die von Schiffen aus den Meeresgrund mit einem Fächer von hundert oder mehr Schallstrahlen abtasten und aus den Zeiten, die die Schallimpulse bis zum Grund und zurück benötigen, die Meerestiefe ermitteln. Mit ihnen können in einer Stunde mehrere Quadratkilometer des Meeresgrunds kartiert werden. Die Detailgenauigkeit der Karten ist dabei ganz beachtlich. Im flachen Küstenmeer lassen sich noch Details unterscheiden, die kleiner als ein Quadratmeter sind und selbst in der Tiefsee liegt der Wert noch unter hundert Quadratmetern.
Für Canepa ist das Projekt mit dem bisher Erreichten noch nicht abgeschlossen. Er arbeitet bereits an einer Lösung, die es erlaubt, die Bodenkarten ganz ohne Referenzbodenproben zu erstellen. Das würde insbesondere die breite Anwendung vereinfachen. Die Entwicklung eines kommerziellen Produkts strebt Canepa gleichwohl nicht an. „Unsere Stärke ist die Forschung“, erklärt er. „Sollte aber jemand die Kommerzialisierung übernehmen wollen, sind wir gerne bereit, Gespräche zu führen. Von uns aus können wir derzeit lediglich anbieten, in Einzelfällen Karten zu erstellen. Für meeresbiologische Forschungsprojekte haben wir das zum Beispiel auch schon mehrfach getan. Unsere Kapazität ist hier allerdings begrenzt.“
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