Die Adria leidet an Sauerstoffmangel
Ocean | 29.07.2009 - 10:05:19

Dem Lieblingsrevier der österreichischen Seefahrer geht die Luft aus. Ein Forscherteam der Universität Wien ist dieser Naturkatastrophe nun nachgegangen, und hat mit großem Technischen Aufwand die Abläufe auf dem Meeresgrund nördlich von Piran untersucht.
Durch die geringe Wassertiefe der Adria, vor allem im nördlichen Bereich, ist das Adriatische Meer besonders empfindlich und anfällig gegen Schwankungen des ökologischen Gleichgewichts. Die Verschmutzung des Meeres ruft regelmäßig eine Erscheinung hervor, der von den Wiener Wissenschaftlern nicht grundlos „Todeszonen“ genannt werden. Auch die, oft gewaltigen Algenblüten scheinen nach neuesten Erkenntnissen eng mit der Verschmutzung zusammen zu hängen. Der Ablauf einer solchen ökologischen Katastrophe beginnt mit der ständigen Anreicherung des Meerwassers durch Düngemittel, die das Algenwachstum extrem steigern, absterbende Pflanzenreste sinken anschließend auf den Meeresgrund und werden dort von Bakterien zersetzt, die dabei auch den im Wasser enthaltenen Sauerstoff verbrauchen. Wenn der lebensnotwendige Sauerstoff vollständig aufgebraucht ist, bleibt eine Todeszone zurück, in der absolut nichts mehr lebt. Diese Zonen können sich erst wieder erholen, wenn durch Strömungen frisches Wasser nachfließt.
Bisher konnte dieser zerstörerische Ablauf erst nach dem eintreten der Katastrophe erforscht werden. Durch die Anstrengungen des Forscherteams um Michael Stachowitsch von der Universität Wien, kann nun die tödliche Systematik nicht nur nachgestellt werden, sondern auch anhand kleiner, künstlicher Testzonen, detailliert beobachtet werden. Die Versuche finden etwa eine Meile nördlich von Piran in Slowenien statt. Zur Durchführung der Experimente wurde ein spezielles Gerät entwickelt, das „ Experimental Anoxia Generating Unit“ kurz EAGU genannt wird. Das
Gerät besteht aus einem durchsichtigen Kunststoffwürfel mit einer Seitenlänge von 50 Zentimetern, der so auf dem Meeresgrund deponiert wird, dass der umschlossene Lebensraum von nachströmendem Frischwasser abgeschlossen ist. Die Lebensformen in dem Behälter verbrauchen nun den Sauerstoff und sterben danach ab. Die Anlage ist mit zahlreichen Unterwasserkameras, Scheinwerfern und Sensoren ausgestattet, die das Experiment mit Bildern, Temperaturmessungen und Daten des Sauerstoffgehalts dokumentieren.
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