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Volvo Ocean Race

Regatta | 26.11.2008 - 07:00:00

Andreas Hanakamp berichtet täglich von der zweiten Etappe des Volvo Ocean Race 08/09. Hier lesen sie die letzten Berichte des österreichischen Skippers und seiner internationalen Crew von ihrer spektakulären Weltumsegelung.

 

 

 
201108
Wir sind vierte in der Etappenzwischenwertung und holen uns 2.5 Punkte, alle an Bord höchst erfreut! Vor allem haben wir das Gefühl, dass wir uns das erarbeitet haben und es kein Wettergeschenk war. Werden versuchen das so zu halten und Jagd auf Green Dragon zu machen, die sind gerade einmal 30 Meilen vor uns.
Von jetzt an geht es nach Norden, wir haben schon die Roaring Fourties offiziell verlassen und der Nordwestwind ist wärmer als der Südwest der letzten Tage. Mit unserem Q9 Segel und 125 Grad wahrem Windwinkel ist es trotzdem sehr nasses Segeln.
Telefoniere täglich mit Michael, er hält mich ins Management unserer Kampagne involviert. Statt Pause zwischen den Stopps zu machen legt er sich mit Liz ins Zeug Sponsoren zu finden. Unser Boot ist noch immer nicht gebrandet, obwohl wir eine überproportionale Reichweite haben. Durch unsere Partnerschaft mit den Walschützern und die Offenheit in der Kommunikation sind wir offensichtlich weitaus interessanter als ein rein kommerzielles Team. Nach dem Rennen ist es zu spät das Potential zu nutzen, aber auch für zukünftige Projekte wäre es gut einen Sponsoring Partner für Team Russia zu finden. Denke da an Barcelona World Race, Class 40 oder Vendeé. Vielleicht ein 10 Jahresplan mit einem Sponsor.....eventuell zu viel Zeit zum Nachdenken an Bord.
Für die nächste kalte Etappe (nach China und dann Richtung Kap Hoorn) werden wir eine Heizung einbauen, hätten das schon für die erste und für diese Etappe machen sollen. Das würde zumindest die Kondensatfeuchtigkeit reduzieren und wir selbst könnten im Schlaf trocknen.
Aus dem Flug der Albatrosse deuten wir, dass einige Boote offensichtlich Schwierigkeiten haben. Wir sind an Bord ziemlich von der Außenwelt abgeschieden und wissen nicht was im Rennen passiert. In Kapstadt wollten Journalisten dann Kommentare von mir zu den Ereignissen und ich konnte rein gar nichts sagen. Während der 10 Tage Pause hatte ich dann auch anderes zu tun als hunderte Emails der letzten Etappe zu lesen.
Lg Andreas
 
 
211108
Unglaublich nasses segeln die letzten 24 Stunden, bei 50 Grad scheinbarem Windwinkel und 23kn Wind haben wir ungefähr 30kn Wind über Deck und mit dieser Geschwindigkeit trifft uns das Wasser in Gesicht, Augen, am Körper und sucht sich den Weg in das beste Ölzeug. In der Nacht ohne Mond können wir nur nach Instrumenten steuern und die verschwinden regelmäßig hinter den Gischtfontänen. Die Augen schmerzen vom konzentrierten Zahlensuchen im Gischt Nebel und vom Salzwasser. Stig muss eine Wache aussetzen wegen Augenproblemen, ich werde für ihn übernehmen damit sich seine Augen beruhigen können. Seit Kapstadt leiden einige unter einer leichten Verkühlung, keiner will es zugeben, habe eine Woche gebraucht um das herauszufinden. Das wirkt sich natürlich nicht besonders positiv auf die Leistung aus. Mein Rücken ist wieder ok, war nur oberflächlich.
Während sich unser stabiler gebautes Boot im Southern Ocean bewährt hat, glauben wir jetzt einen kleinen Nachteil aufgrund der leichteren Bombe zu haben. Beide Telefonica Boot sind in diesen Bedingungen sehr schnell, da die Wellen nicht so hoch sind, müssen sie auch nicht fürchten, ihre Boote zu zerstören. Das richtige Konzept wird sich am Ende des Rennens weisen. Die Situation führt immer wieder zu einem Wechselbad der Gefühle, ist die Bootsbelastung hoch freuen wir uns über unser Boot, fehlt uns etwas Geschwindigkeit, hadern wir mit unserer etwas zu leichten Bombe. Aber Nerven behalten und warten was da kommt.
Unser ETA Cochin wird um den 1. Dezember sein, bis dahin warten noch einige Prüfungen, zwei Übergangszonen zwischen Hochruckgebieten, die Doldrums, eventuell ein tropisches Tief und danach Monsun für die letzten paar hundert Meilen nach Indien.
Lg Andreas
 
 
221108
Es wird wieder wärmer. Schon zum Morgen hin wurde es angenehmer, der Wind raumte etwas und die Gischt ließ nach. Nach Sonnenaufgang wurde es angenehm warm, innerhalb einer Stunde hatten wir alle Segel, Ölzeug und nasses Gewand und Stiefel an Deck zum trocknen.  Dann noch das Boot gelenzt und gelüftet, wunderbar. Obwohl, dafür dass die Sonne zu Mittag etwa 80 Grad hoch steht, war es nicht heiß, das Wasser hat etwa 20 Grad und kühlt. Sobald wir in die Nähe des Äquators kommen steigt die Temperatur auf 32 Grad und an Bord wird es unerträglich werden.
Jede Menge Segelwechsel heute. Zuerst von unserer QJ zum Code 3 Spi, dann A4, jeweils mit unterschiedlichem Stagsegel, dann wieder Code 3 und jetzt in der Nacht den Code 0. Schwerabreit, Maloche, Bergwerk,....ein gutes Team macht’s aber einfacher.
Jetzt am Abend  (wir sind etwa 4 Stunden voraus) ein oberarmdickes Tau mit dem Backbord Ruder gefangen, habe gerade noch das Boot auf Kurs halten und einen Sonnenschuss verhindern können. So ein Anhängsel zerstört die Strömung an den relativ kleinen Rudern und verringert die Geschwindigkeit von 17 auf 13 kn. Sofort begonnen den Code 3 wegzurollen, wobei dann die Rollleine gebrochen ist, verdammt. Insgesamt hat es dann eine halbe Stunde gedauert, bis wir wieder flott waren. Mit Segelwechsel auf den Code 0 haben wir neuen Meilen verloren.
Ungefähr noch eine Woche, freuen uns schon auf Indien. Indien hat mich bisher nicht wirklich interessiert, habe ich immer mit viel Armut, Kastenwesen und Kühen die man nicht Essen darf verbunden. Eventuell genauso ein Vorurteil wie die Engländer glaube, dass wir Österreicher nur Mozart hören. Gespannt was mich erwartet.
Lg Andreas
 
 
Text Andreas Hanakamp
 
Gernot Weiler für OCEAN7 Online

 



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