Claus Gintner, Österreichs Paradeabenteurer Nummer eins, Weltumsegler und Piratenopfer, ist wieder unterwegs: Eine letzte Reise mit seiner ESCAPADA über den Nordatlantik. Dabei geriet er in Schwerwetter und erlebte eine dramatische Situation. Hier sein Bericht von Bord der ESCAPADA.
Samstag 5. September
Position 12:00 Uhr UTC: 36 Grad 50 N, 9 Grad 23 W; Wind: NNW 25 bis 33 Knoten; See: rauh; Welle 3 Meter; Wolken, keine; Barometer 1019; Speed: 6,5; Kurs: der See angepasst 140 magn. ; hartes Segeln in schwerer See;

Um 09:00 Uhr empfange ich über UKW-Funk von Lissabon Radio die Nachricht, dass der Kanal 16 wegen „Emergency " für den normalen Funkverkehr blockiert ist. Alle Anrufe, die normalerweise auf Kanal 16 kommen, werden auf Kanal 11 umgeleitet.
Der Grund: Die Segelyacht "MR MARGU" hat auf der Position 36 Grad 17 N, 12 Grad 12 W, mittels EPIRB ein Notsignal abgesetzt. Der Tanker DOMENIA befindet sich in der Nähe und kann über UKW Funk mit MR MARGU Kontakt aufnehmen.
Die Segelyacht berichtet dem Tanker, dass sie von Ponta Delgada kommend auf dem Weg nach Amstedam ist. In der schweren See wurde die Yacht entmastet, außerdem hat die Yacht auch noch einen Motorschaden. Der Tanker fungiert als Relay Station zwischen dem entmasteten Segler und Lissabon Radio.
Ich befinde mich zu dieser Zeit auf der Position 36 Grad N, 9 Grad W, der Wind kommt aus NNW mit 25 bis 33 Knoten, die See ist rauh und hat 3 Meter hohe Wellen.
Auf Grund meiner Position kann ich sowohl den Tanker als auch Lissabon Radio empfangen.
11:55 Uhr: Lissabon Radio entscheidet, man kann als Hilfe lediglich anbieten, dass der Tanker DOMENIA die Crew von MR MARGU abbergen kann. Die Crew hat Angst und lehnt ab.
12:10 Uhr: Ein spanisches Kriegsschiff wird losgeschickt. Es soll Hilfe leisten. Es wird jedoch bis Mitternacht dauern, es vor Ort sein kann.
17:00 Uhr: Lissabon Radio ruft erneut die treibende Yacht und bietet ein Abbergen der Crew mittels Hubschrauber an. Erneut lehnt die Crew ab. Man will auf das Kriegsschiff warten und hofft, dass die Besatzung der Fregatte Hilfe leisten und möglicherweise Reparaturen an Bord durchführen kann, damit die MR MARGU in die Lage kommt, mit eigener Kraft den nächsten Hafen anzulaufen.
Hier endet mein Funkempfang, ich bin mittlerweile schon außerhalb des Sendebereiches.
Fazit: Die Wettersituation war eindeutig, der starke Nordwind war schon Tage vorher voraussehbar. Die Yacht MR MARGU hätte nicht in Richtung Amsterdam auslaufen dürfen; doch immer wieder höre ich von Seglern, „wir laufen zu dem festgesetzten Termin aus, ungeachtet der Wettersituation“. Oft ist es die Crew oder es sind die Mitsegler, die als treibende Kraft den Skipper oder den Kapitän drängen, pünktlich auszulaufen.
Ich habe z. B. auf den Azoren eine ganze Woche bis zum 30. August mit dem Auslaufen gewartet, weil die Wettersituation nicht entsprechend war.