Volvo Ocean Race

Andreas Hanakamp News und TV-Bericht in sport plus | Regatta | 28.11.2008 - 11:22:53

Optimismus und gute Stimmung bei Team Russia und Andreas Hanakamp trotz Regen, wechselnden Winden und aufdringlichen, fliegenden Fischen. Der Zieleinlauf in Cochin wird für den 2. Dezember erwartet.
 

241108 Wir haben den Trampelpfad, die ausgetretene Spur verlassen und glauben unser Glück im Osten zu finden. 300 Meilen im Norden liegt ein ausgedehntes Flautengebiet, die Doldrums. Zwischen 60E und 75E kein Wind, erst dort wo wir unseren Bug hinhalten,  erwarten wir konstanten Wind, was aber noch zu beweisen bleibt, auf jeden Fall wollen wir nach vorne und haben mit unserer Detour ein Bauernopfer erbracht, hoffentlich war es wert. Stigs Augen werden nicht besser und ich übernehme seine Wachen, die permanente Gischt in die Augen beim Steuern haben sie entzündet, meine sind noch ok. Sehr unkomfortables Segeln wieder, 22 Grad Krängung 30kn über Deck und die Welle von der Seite, alle 15 sek ein Schwimmbecken Wasser bei 20kn Bootsgeschwindigkeit. Wenigstens warm ist es, so ungefähr Badewannentemperatur. Der Himmel ist überzogen mit Passatwolken, kleine Kumuluswolken, die nach Westen segeln, etwas stehen sie schräg, da sie der Antipassat an der Spitze wegzieht. Schon für die Portugiesen vor 600 Jahren muss sich hier das gleiche Bild gezeigt haben. Im Westen liegt Mauritius, vor uns Diego Garcia  und das Chagos Archipel. Verrückt, alles mit 400 Meilen Tagen zu passieren.
LG Andreas
251108 Es ist unglaublich warm und feucht. Da wir noch immer den scheinbaren Wind von schräg vorne haben kommt jede Menge Gischt mit dem Wind und alles ist warm und feucht. Das führt dazu, dass jede Bewegung einen Schweißausbruch herbeiführt. Zum Wasser machen müssen wir seit ein paar Tagen den Ballasttank verwenden, da aufgrund der Krängung das Seeventil des Salzwassereinlasses in der Luft ist. Dazu habe ich einen Schlauch quer durch das Schiff verlegt und den Wassertank im Heck angezapft. Der lässt sich mithilfe eines sogenannten Scoop, einer Öffnung die gegen die Fahrtrichtung zeigt gefüllt werden. Da der Wind wieder etwas leichter wurde haben wir auf das größere Q9 Vorsegel gewechselt und machen gut Meilen auf die Flotte. Bei den letzten Positionsmeldungen war nur Delta Lloyd schneller als wir. Vor uns breiten sich die Flautenzonen immer weiter aus, noch sieht es im Osten besser aus als im Westen, hoffentlich ändert sich diese Situation nicht. Der Taifun, der sich östlich von Sri Lanka bildet verändert das Druckgefälle des gesamten Nordindischen Ozeans und führt generell zu leichteren Winden zwischen den Doldrums und Cochin. War vor zwei Tagen unser ETA noch der 29.11. ist es inzwischen 3 Tage nach hinten gerutscht und wir erwarten den Zieleinlauf für den 2.12.
LG Andreas
261108 Unsere Strategie scheint aufzugehen, wir haben Wind und die Flotte im Westen ist stehengeblieben. Noch liegen jede Menge Fallen und Parkplätze vor uns, es scheinen aber weniger zu sein als im Westen. Aber erst in einer Woche werden wir wissen, was die richtige Strategie war. Die letzte Nacht war erlebnisreich. Ich ging für einen Segelwechsel an Deck, steh am Grinder und plötzlich zappelt es in meinem Segelstiefel, also zwischen dem Schaft und meinem Bein. Ich spring aus dem Stiefel und mit meinem Fuß kommt ein fliegender Fisch heraus, der sich, als ich an Deck kam genau in meinen Stiefel verflogen hatte.
Kurz danach kamen wir in einen tropischen Regenguss der feinsten Art. Warm öffnete der Himmel seine Schleusen und auch nach einer Stunde war es nicht kalt. Während die Mannschaft segelte, nutzte Mark, unser Medienmann den Guss für eine ausdauernde Dusche.
Natürlich sind wir auch kurz unter der Wolke stehengeblieben und ich hatte schon ein Déjà-vu, dachte, das kann einfach nicht wahr sein, dass wir schon wieder den erstbesten Parkplatz belegen. Nach 15 Minuten kam trotz Regen der alte Wind wieder zurück und wir segelten mit dem Code 0 Vollgas weiter. Obwohl Leichtwind für dien nächsten Tage angesagt ist, werden die letzten 1000 Meilen so anstrengend wie der ersten, die Anspannung wird groß, jeder Wolke wird misstraut. Jetzt segeln wir noch in tropischer Wärme unter Vollzeug bei gerade einmal 10kn Wind mit 13kn Fahrt durchs Wasser, eigentlich traumhaft.
 
LG Andreas
 
Nicht vergessen am 29.11. um 22:00 in sport plus Bericht Volvo Ocean Race
 
Quelle Udo Moser www.teamrussia.org
 
Gernot Weiler für OCEAN7 Online



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