
Tagebuch eines Extremseglers: Äquatorüberquerung mit Rotwein, kleine Pannen und Reparaturen, hartes Segeln, Norbert Sedlacek, Österreichs sympathischer Weltumsegler im Wechselspiel zwischen Gewitterstürmen und Flautenabschnitten.

Der Timemaster zeigt exakt um 02:26 UTC das ich den Äquator auf 24°5' W überquert habe. Meine Rotweinselektion habe ich selbstverständlich mit Neptun geteilt. Als Dank dafür hatte ich heute morgen gleich erst eine Tankpanne - Diesel in der Bilge und danach eine Motorstörung - Luft in der Treibstoffleitung. Als die Kiste dann endlich wieder gelaufen ist, um 06:00 Uhr morgens, hat sich nach ein paar Minuten auch noch die Wasserpumpe gelockert und die Maschine ist ziemlich heiß gelaufen - genauso wie ich. Nach wie vor liegen wir auf der Backe, allerdings etwas windärmer, SE3-4. Ich hoffe der Süden hat auch noch schöne Dinge und angenehmeres Segeln zu bieten. Denke Positiv, ich konnte heute morgen aus gegebenen Anlass den Generator ausprobieren - zumindest der funktioniert!
Mal schauen was der Tag noch so alles bringt!
Liebe Grüße, Norbert

26.11.08, 19:00 UTC Position: N01°07' W24°49' Kurs: 210° Speed: 8kn
Wind: SSE Bewölkung: 3/8 Lufttemperatur: 29,5°C Luftdruck: 1007 hPa See: 4
Segel: GR2 GE2
Seit gestern Abend liegen wir auf der Backe und hacken nach SSW. Ich hoffe das dauert jetzt keine 2 Wochen so, denn es ist echt nervig und geht tierisch auf's Material. Im Süden haben die ersten schon ihr "Einweihungssturmtief". Es beginnt auch mit SE, also stressig. An Bord konnte ich heute einen großen Freudenjubel ausstoßen, denn der Inmarsat B Terminal funktioniert wieder. Letztendlich war es eine Softwarepanne, welche mit der Überlappung der Satellitenzonen zu tun hatte. Egal wieso und warum, er läuft wieder. Spätestens morgen Nachmittag sollte ich über den Äquator segeln, der erste echte Meilenstein bei diesem Megatörn. Während ich diese Zeilen schreibe, hackt die nauticsport-kapsch erbärmlich gegen einen genau aus Süden laufenden Schwell. Ich weiss nicht wo der herkommt, aber ich bin genervt, werde mich jetzt hinlegen, etwas ausspannen und Musik hören.
Also bis morgen, Norbert

25.11.08, 08:40 UTC Kurs: 215° Speed: 9,5kn Wind: SE
Bewölkung: 2/8 Lufttemperatur: 31,5°C Luftdruck: 1010 hPa See: 2-3
Fahre seit drei Stunden auf der Backe und bin gerade durch die letzten Ausläufer der ITC gesegelt. Jetzt sind es nur noch 300 Seemeilen bis zum Äquator, der erste Wichtige Wegpunkt auf diesem Maxirace. Habe heute den intensivsten und zugleich kürzesten „Tropenprassler“ während dieser Reise erlebt. Es ist kaum zu glauben, dass so viel Wasser in so kurzer Zeit aus einer Wolke fallen kann. Am Nachmittag werde ich wieder länger rudergehen, da gibt die Genua etwas Schatten am Steuerstand, ohne diesen ist es dort kaum zum Aushalten.
Liebe Grüße, Norbert

24.11.08, 10:30 UTC Position: N08°19' W 23°00' Kurs: 180° Speed: 7,5 kn
Seit gestern Abend läuft es wieder gut. Die Wetterprognosen dürften Recht haben, der NE Wind ist mit mir. Im Idealfall sollte diese "Anfahrtsstraße" zur Südhalbkugel durchhalten, aber was ist schon der Normalfall? Die Devise für die nächsten Tage lautet mit Anstand schwitzen, Gewitterstürme und Flautenabschnitte ertragen und mich um jede Meile nach Süden kämpfen.
Liebe Grüße, Norbert
Gernot Weiler für OCEAN7 Online