
Törns in exotische Reviere werden immer beliebter und zählen zu den reizvollsten Erlebnissen, die man als Reisender auf einem Boot unternehmen kann. In vielen tropischen Regionen muss jedoch vor dem Verzehr selbstgefangenen Fischs gewarnt werden, da dieser hochgiftig sein kann.

Die schon seit Jahrhunderten bekannte Fischvergiftung, die in den Tropen vorkommt, ist die sogenannte Ciguatera, die schon die spanischen Eroberer in der Karibik kannten und der Erkrankung auch ihren Namen gaben. Der Auslöser der Fischvergiftung ist einer der stärksten Giftstoffe, die der Menschheit bekannt sind. Das sogenannte Ciguatoxin gelangt angefangen von winzigen Geißeltierchen, die auf Algen und Wasserpflanzen leben, über kleine pflanzenfressende Fische in die Nahrungskette und konzentriert sich vom Beute- zum Raubfisch zunehmend in den erfolgreichsten Jägern in den Riffgewässern. Unglücklicherweise sammelt sich der gefährliche Giftstoff am häufigsten in äußerst schmackhaften und als Speisefischen sonst sehr begehrten Raubfischen wie Barrakudas, Zackenbarschen oder Makrelen.

Seltener aber doch können auch korallenfressende Arten wie Papageienfische betroffen sein. Das Gift wirkt sich auf die Fische, die es in hohen Konzentrationen enthalten können, nicht negativ aus, umso mehr aber auf den Menschen, der den Fisch zu sich nimmt. Das hochwirksame Gift ist zu allem Überfluss auch noch hitzeresistent und löst sich auch beim Kochen nicht auf. Jährlich treten in den tropischen Revieren des pazifischen und indischen Ozeans sowie der Karibik etwa 50.000 Fälle von Ciguatera-Vergiftung auf, so dass in manchen betroffenen Gebieten der Karibik bereits auf tiefgefrorenen Fisch aus den sicheren Gewässern der Südhalbkugel zurückgegriffen wird.

Die ersten Symptome einer solchen Fischvergiftung zeigen sich nach einigen Stunden, seltener aber auch schon einige Minuten nach dem Essen des giftigen Fischs. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall sind typisch für eine Ciguatera-Vergiftung. Manchmal kommt es auch zu Herz- und Kreislaufbeschwerden wie sinkendem Blutdruck und Verringerung der Herzfrequenz unter 50 Schläge pro Minute. Oft treten auch neurologische Störungen auf, die bekannteste ist der Verlust des Temperaturempfindens, bei dem die Patienten kaltes Wasser heiß empfinden. Die körperlichen Symptome wie Erbrechen und Durchfall führen zu einem extremen Flüssigkeitsverlust und klingen für gewöhnlich nach etwa zehn Stunden ab.


Die neurologischen Störungen wie Temperaturfehlempfinden und Taubheitsgefühle können allerdings noch Monate anhalten. Da es kein wirksames Gegengift gibt wird empfohlen, den Flüssigkeitsverlust mittels Infusion oder Einnahme von Wasser auszugleichen. Unter ärztlicher Aufsicht wird in letzter Zeit auch eine Infusion mit Mannit, einem Zuckeralkohol angewendet, wobei noch nicht eindeutig geklärt werden konnte weshalb es oft zu einem schnellen Abklingen der Symptome kommt. Auch das Einnehmen von medizinischen Kohletabletten gilt als brauchbare Sofortmaßnahme. Auf jeden Fall sollte bei Ciguatera-Verdacht sofort ein Arzt aufgesucht werden, und wenn möglich eine Probe des verdächtigen Fischgerichts für Testzwecke mitgebracht werden.
Als einzige wirklich sichere Maßnahme eine Ciguatera-Fischvergiftung zu vermeiden gilt nach wie vor das Verzichten auf große Fische in den betroffenen Gebieten. Die Sterblichkeit bei befallenen Menschen beträgt etwa ein Prozent.
