
Die Revolution in der modernen Erforschung der Ozeane ist nach Jahren intensiver Arbeit und dem Einsatz von Millionen gelungen. Ein direkter Internetanschluss an die Meere wurde von Forschern an der kanadischen Westküste jetzt erreicht und bringt eine wahre Datenflut für die verschiedensten Forschungsgebiete.
Unter dem Namen Neptune wurde von kanadischen Forschern der Universität von Victoria an der Küste von Britisch Columbia im Westen Kanadas ein völlig neuartiger Zugang zu den wichtigsten Messdaten im Ozean hergestellt. In diesem Fall handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um einen direkten Internetzugang zum Meer. Anders als bei bisherigen Forschungen, die mit Bojen oder aufwendigen Forschungsschiffen auf die Jagd nach Messdaten gehen mussten, können die Kanadier nun die Grundlagen ihrer wichtigen Forschungen nun per Breitband-Kabel direkt vom Meeresgrund runter, oder treffender gesagt hochladen.

Kernstück dieser Innovation ist ein 800 Kilometer langes, ringförmig ausgelegtes Breitbandkabel, das die fünf Messeinheiten verbindet und die Daten direkt in das Forschungszentrum weiterleitet. Jede der Messeinheiten verfügt über hunderte von Sensoren die alle möglichen Werte, wie Wassertemperatur, geologische Aktivitäten, Videoaufnahmen oder unzählige andere Messwerte an die Wissenschaftler weiterleiten. So gewährt das neuartige System Einblick in bisher unerschlossene Gebiete wie den Klimawandel, Fischpopulationen, Erdbebenaktivitäten und vieles, vieles mehr.

Projektleiter Chris Barnes beschreibt den Fortschritt in der Erforschung der Ozeane durch das Neptune Projekt gleichbedeutend mit der Inbetriebnahme des Hubble Teleskops im Weltraum. Die Vorteile des Neuen Neptune Systems liegen in dem ununterbrochenen Datenfluss über 24 Stunden am Tag ohne besonderen zusätzlichen Aufwand und die Eigenschaft des Systems , dass über das Datenkabel sowohl die Sensoren gesteuert als auch die Daten transportiert werden können. Das Gebiet vor der kanadischen Westküste eignet sich besonders für eine Erforschung in dieser fortschrittlichen Form der Meeresforschung da es viele, wissenschaftlich relevante Aspekte beinhaltet.


Die Forscher der Universität von Victoria erwarten einen Datenfluss von etwa 50 Terabyte pro Jahr und damit einen revolutionären Einblick in die Funktion der Ozeane. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen laut den Sprechern des Projekts in der Erforschung von Tsunamis und der Geologie des Meeresbodens, den Auswirkungen der gewaltigen Metanhydratvorkommen, sowie der Erforschung der Lebensformen in dieser Tiefe.
Die Verlegung des 800 Kilometer langen Kabels und die Installierung der dazugehörigen Messeinheiten dauerte acht Jahre und kostete umgerechnet 5,4 Millionen Euro.
Quelle und Bilder www.uvic.ca
