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Piratenopfer: Neuer Appell, neuer Skandal

Jetzt beschuldigt der Verteidigungsminister seine Soldaten! | Service | 13.12.2009 - 08:41:20

Rachel und Paul Chandler sind seit Ende Oktober in den Händen somalischer Verbrecher. Das Weltumsegler-Ehepaar aus Kent in Großbritannien fleht jetzt die Regierung an: "Sorgt bitte mit allen Mitteln dafür, dass wir endlich freikommen". Doch die Regierung bleibt eiskalt. Der Skandal wird immer größer: Jetzt beschuldigt der Verteidigungsminister seine Soldaten!

 

Es war das erste Telefonat, das die Piratenopfer seit fünf Wochen mit ihrer Heimat führen konnten, mit einem Redakteur der Sunday Times in London. Ihr Appell an die Regierung: "So sprecht doch bitte mit unseren Entführern, nehmt Verhandlungen auf, sorgt dafür, dass wir zu Weihnachten wieder zuhause sein können".

Paul (59) und Rachel (55) Chandler waren Ende Oktober in der Nähe der Seychellen von somalischen Gangstern auf ihrer Segelyacht LYNN RIVAL überfallen und unter den Augen der Besatzung eines britischen Kriegsschiffes gefangen genommen und verschleppt worden.

In der Folge entbrannte ein heftiger Streit darüber, warum die zur Terrorbekämpfung speziell ausgebildeten Marines nicht eigegriffen hatten. Dazu erklärten der Kommandant der Eliteeinheit und des Kriegsschiffes schließlich: Der Verteidigungsminister habe zwei Mal in allerletzter Sekunde einen Angriff untersagt.

Jetzt schiebt das Ministerium jegliche Schuld von sich. Ein Sprecher von Verteidigungsminister Bob Ainsworth erklärte: Nicht das Ministerium, sondern der Kommandant des Kriegsschiffes, Sir Mark Stanhope, habe die Entscheidung getroffen, zuzusehen und nicht einzugreifen.

Die Chandlers hingegen wollen keine sinnlosen Diskussionen. Sie wollen nur eines: "Sorgt bitte dafür, dass wir endlich freikommen. Unser Fall liegt ja auch anders, als der von Handelsschiffen, die überfallen werden. Es ist kein Akt des Terrorismus, sondern eine rein kriminelle Tat. Warum könnt ihr nicht mit den Gangstern sprechen?"

Die Kontaktaufnahme per Telefon hat ein örtlicher Journalist möglich gemacht, der sich "Omar" nennt und der die Entführer und das Ehepaar ausfindig machen konnte. Er berichtete, sie seien extrem abgemagert, weil sie das somalische Essen nicht vertragen. Sie müssten in verschiedenen Land Rovers leben und würden jeden Tag mehrmals den Standort ändern.

Immer wieder spitzt sich die Situation um die beiden Briten zu, denn fundamentalistische Islamisten überfallen die Entführer immer wieder, um die Chandlers in ihre Gewalt zu bekommen. Wiederholt soll es dabei zu heftigen Feuergefechten gekommen sein.

Während bei entführten Frachtschiffen Versicherungsvertreter Lösegeldverhandlungen mit den Kidnappern führen, untersagt die Regierung jegliche Gespräche im Zusammenhang mit dem Segler-Ehepaar. Außerdem verfügen die Chandlers über keinerlei finanzielle Mittel. Sie sind Pensionisten, die ihr Haus in England verkauft haben, um die Mittel für den Schiffskauf und die Reise um die Welt locker zu machen.

 

 


 

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