
Jessica Watson, die 16jährige Schülerin aus Australien, hat ein wahres Horror-Erlebnis hinter sich. Vier Mal gekentert, bis zu 10 Meter hohe Wellen, etliche Materialschäden -. und eine Kenterung löste sogar ein EPIRB aus und versetzte Jesses Eltern in Panik. Hier schildert die junge Seglerin, wie sie den schweren Sturm überstand.
Jessica berichtet von Bord ihrer nur 34 Fuß kleinen Sparkman & Stephens Segelyacht:
Meine sonnigen Segelbedingungen endeten mit einem Paukenschlag. PINK LADY und ich hatten hier draußen eine ziemlich spannende Zeit: Ich habe 65 Knoten aufgezeichnet, bevor es den Windmesser weggerissen hat.
So viel Wind bedeutet ein paar ziemlich große und ziemlich bösartige Wellen. Es hat uns insgesamt vier Mal umgeworfen, die zweite Kenterung war am ärgsten, als es den Mast um ganze 180 Grad in das Wasser drückte. ‚Drücken‘ ist nicht ganz der richtige Begriff. Es hat viel mehr PINK LADY hochgehoben, eine Riesenwelle hinunter geschleudert und dann mit unbeschreiblicher Gewalt unter einem Berg von brechendem Wasser komplett auf den Kopf gestellt.
Ich hatte PINK LADY gut auf den Sturm vorbereitet. Alles war niedergebunden und die Bedingungen waren viel zu gefährlich, um an Deck zu sein. Es gab nichts, was ich da draußen hätte tun können. Nur unter der winzigen Sturmfock funktionierte der große elektrische Autopilot perfekt und hielt uns auf Vorwindkurs, unterstützt nur durch meine aufmunternden Zurufe. Es waren dann nur die gewaltigen, steilen Wellen, die uns ungünstig von der Seite erwischten und zum Kentern brachten.
Der solide, gut 2,5 Zentimeter dicke Stahlrahmen, auf dem die Solarpaneele befestigt sind, ist stark verbogen, was eine ziemlich gute Vorstellung von der Kraft der Wellen verschafft.
Unter Deck ging es auch ziemlich toll zu: Während ich krampfhaft versuchte, mich irgendwie festzuhalten, flog alles Mögliche kreuz und quer durch die Kabine. PINK LADY beklagte sich lautstark über das, was ihr da angetan wurde. Es war manchmal schon schwierig für mich, meine positive und rationale Einstellung zu bewahren, aber insgesamt kann ich sagen, dass der Skipper genauso gut durchgehalten hat wie PINK LADY. Zweifellos waren da Momente, in denen ich mich gefragt habe, warum ich das alles überhaupt mache. Aber in keinem einzigen Moment habe ich diese Frage nicht mit einer ganz langen Reihe von Begründungen beantwortet, warum die harten Zeiten wie diese es nicht zu 100 Prozent wert sind.
Mitten drin in diesem Drama erhielt meine Mom zuhause einen Anruf vom Australischen Rescue Center, dass eines meiner EPIRBs ausgelöst wurde. Eine der Kenterungen hatte das automatische EPIRB unter dem Targabügel aktiviert, ohne dass ich das mitbekam. Zum Glück rief ich ein paar Minuten später zufällig zuhause an und konnte alles aufklären. Ich habe mich ziemlich über das blöde Gerät geärgert, das alle zuhause in Panik versetzt hat.
Wir sind natürlich nicht ganz ohne Schrammen davongekommen. Es gibt genug kleinere Schäden, aber zum Glück nichts, das unsere Reise stoppen könnte. Das Rigg steht und der Mast scheint normal zu funktionieren. Der Targabügel ist ziemlich verbogen und die Windfahnensteuerung sitzt in einem merkwürdigen Winkel, aber erstaunlicher- und glücklicherweise funktioniert sie immer noch tadellos. Das Großsegel hat ein paar kleinere Risse und eine Saling ist verbogen.
Unter Deck war allerdings eine ziemliche Katastrophenzone. Alles ist nass oder zumindest feucht. Die Toilette hat es in tausend Teile zerlegt und im ganzen Schiff verteilt. Der Petroleumofen lässt sich nicht mehr anzünden, aber vermutlich muss er nur noch etwas trocknen.
Inzwischen habe ich alles aufgeklart und gut geschlafen. Jetzt fühle ich mich wie ein gigantischer Marshmallow. Körperlich fühlen sich Arme und Beine schwer und erbärmlich an und ich habe eine wunderbare Sammlung blauer Flecken am ganzen Körper. Mental fühle ich mich um gute zehn Jahre gealtert, aber ich bin wieder zurück in der normalen Welt und freue mich jetzt auf das Gipfelfest, das bevorstehende Erreichen der Halbzeitmarke meiner Reise.