
Es steht schlimm um die Piratenopfer Rachel (56) und Paul Chandler (60). Erstmals seit ihrer Entführung wurden sie von einem Arzt untersucht. Dazu gibt es von AFP dramatische, aktuelle Bilder des britischen Segler-Ehepaares, das von ihrer Yacht nach Somalia verschleppt wurde.
Abgemagert, verwirrt, verzweifelt: Piratenopfer Rachel Chandler FOTOS: AFP
Seit mehr als drei Monaten werden Rachel und Paul Chandler von somalischen Piraten getrennt und ohne Kontakt zueinander festgehalten. Jetzt hatten sie Gelegenheit, sich mit einem dringenden Hilfsappell an die Öffentlichkeit zu wenden: "Bitte helfen Sie uns, diese Leute behandeln uns nicht gut. Ich bin alt. Ich bin 56, und mein Mann ist 60 Jahre alt", sagte Rachel Chandler, die in einem kleinen Zelt aus Tüchern, Netzen und Planen festgehalten und von bewaffneten Piraten bewacht wird. Sie wolle wieder mit ihrem Mann zusammen sein, "weil uns nicht mehr viel Zeit in unserem Leben bleibt", erklärte die 56-jährige Rachel Chandler dem Arzt Abdi Mohamed Helmi Hangul, der das Paar am Donnerstag, den 28. Januar 2010, kurz untersuchen durfte.
Der Mediziner gehört dem gleichen Clan wie die Kidnapper an und wurde bei seinem Besuch von einem AFP-Fotografen begleitet. Hangul sagte, Rachel Chandler gehe es körperlich und psychisch schlecht. "Sie ist stark abgemagert, sie ist krank, sie ist sehr ängstlich und leidet unter Schlafstörungen". Sie sei aber vor allem psychisch in einem schlechten Zustand. "Sie ist sehr verwirrt, fragt immer nach ihrem Mann und sie scheint komplett ohne Orientierung zu sein".
Paul Chandler zu dem Arzt: "Ich habe keinen Zweifel, dass sie nicht zögern werden, uns zu töten"
Rachel Chandler und ihr Mann Paul waren am 23. Oktober mit ihrer Segelyacht LYNN RIVAL im Indischen Ozean unterwegs, als sie von den Piraten überfallen wurden. Die Entführer verschleppten sie unter den Augen schwer bewaffneter britischer Spezialeinheiten nach Somalia an Land und halten sie seitdem in getrennten Verstecken in der Nähe der Kleinstadt Amara fest. "Wir sind seit 98 Tagen in Gefangenschaft und es geht uns nicht gut. Die Entführer haben erneut ein Ultimatum gestellt, das in drei Tagen abläuft. Sie werden nicht zögern uns zu erschießen", sagte der 60-jährige Paul Chandler dem Arzt. Nach Angaben Hanguls droht sich der Gesundheitszustand der Briten weiter zu verschlechtern, sollte ihnen nicht bald geholfen werden.
Das Außenamt in London reagiert nach wie vor überheblich und ablehnend auf die Bitte der Entführten um Verhandlungen: "Die Position der britischen Regierung ist klar: Wir machen keine substantiellen Zugeständnisse an Geiselnehmer." Dies gelte auch für die Zahlung von Lösegeld.