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Kärntner Segler organisiert Rettungsaktion: 3 Überlebende

Nach Todesdrama auf den Seychellen | Thomas Dobernigg BLOG | 29.06.2017 - 13:58:04

Der Ferlacher Michael Huss (45) wurde während des Segelurlaubs mit seiner Familie auf den Seychellen zum Lebensretter. In einem Gespräch mit OCEAN7 berichtet er von den dramatischen Ereignissen.

Der Schock über das Erlebte steht ihm immer noch in das Gesicht geschrieben, gut zehn Tage nach den schrecklichen Ereignissen im Urlaubsparadies. Michael Huss ist ein erfahrener, gewissenhafter Segler mit solider Ausbildung. Diesen Voraussetzungen haben es drei Menschen auf den Seychellen zu verdanken, dass sie eine schreckliche Tragödie überleben konnten, bei der drei ihrer Angehörigen starben.

„Ich saß mit meiner Frau Karin, meinem Co-Skipper Wilfried Schippel und dessen Begleiterin Dagmar im Cockpit des gecharterten 40 Fuß Katamarans und wir spielten Karten. Wir waren vor Anker vor der Hafeneinfahrt von La Digue auf den Seychellen. Im Hafen war ein großes Fest zum Marienfeiertag im Gange, Mein Sohn war mit seiner Freundin mit dem Dinghi dorthin gefahren,“ erzählt Michael Huss.

Es war 20:30 Uhr und stockfinster, wie das in den Tropen so ist. Michael Huss berichtet weiter: „Trotz der lauten Feiern in dem rund 150 Meter entfernten Hafen hörten wir plötzlich neben dem Steuerbordrumpf einen Schwimmer im Wasser ,Help! I need help!' rufen. Dann klammerte sich ein Mann an die Heckstufen und stammelte immer wieder ,Help. I need a tender'. Er zitterte am ganzen Körper, war restlos erschöpft und verstört. Es war Skipper Teddy Stravens und er berichtete von zwei Meter hohen Wellen auf der Fahrt vom Marienfest zur Nachbarinsel Praslin und davon, dass sein kleines Fischerboot plötzlich kenterte. Niemand hatte Rettungswesten. Es war ein älteres Paar an Bord, ein junges Paar und ein sechsjähriger Junge. Und er. Er entschied sich, loszuschwimmen. Nach rund einer Stunde durch die Nacht, bei zwei Meter hohen Wellen, erreichte er schwimmend und mit letzter Kraft, unseren Katamaran“.

Michael Huss reagierte zielgerichtet, klar, strukturiert und ohne zu zögern richtig. Er holte alle notwendigen Informationen ein, dann setzte er über Funk auf Kanal 16 drei Mal seinen „Mayday“ Ruf ab, um eine Rettungsaktion einzuleiten. Huss: „Aber ich hörte keine Antwort. Niemand reagierte auf den Funkspruch“. Dann, endlich, meldete sich ein in der Nähe liegender Einhand-Weltumsegler. Ein Hamburger, der unter südafrikanischer Flagge segelt. Er bestätigte den Mayday-Ruf und auch, dass dieser die Küstenwache erreicht hatte und fungierte fortan als Relais-Station. So konnte Huss über Funk schließlich auch die Aktivitäten der Küstenwache mitverfolgen.

Es dauerte bis 23 Uhr, bis die Rettungsaktion voll anlief, die Michael Huss, der Pipeline-Techniker aus Ferlach, in die Wege geleitet hatte. Die ganze Nacht hindurch sah er die Suchscheinwerfer, hörte die Meldungen am Funk und erfuhr so, dass Küstenwache und Navy im Einsatz waren. „Ich habe erst vor Kurzem ein ISAF-Training absolviert und kannte die Zeitkurve für die Überlebenschancen genau. Die wurden von Minute zu Minute geringer. Es war ein beklemmendes Gefühl“.

Schließlich schlief Huss im Morgengrauen erschöpft im Cockpit ein, wurde aber sofort von schwerem Rotorengeräusch wieder geweckt: „Ein gewaltiger Hubschrauber der Australischen Marine beteiligte sich an der weiteren Suche. Ihm und seiner Besatzung war es schließlich zu verdanken, dass 16 Stunden nach dem schrecklichen Unglück zwei Menschen lebend aus dem 27 Grad warmen Wasser geborgen werden konnten. Es war der 33jährige Aubrey Jacqueline und der sechsjährige Sohn seiner Geliebten. Ihr hatte er, unmittelbar bevor sie in den Fluten versank, noch das Versprechen gegeben, zu überleben und den kleinen Chang-Tave zu retten“.

Michael Huss hat so perfekt und richtig reagiert, weil er hervorragend ausgebildet ist, selbst im größten Stress die Ruhe bewahrte und genau wußte, was er zu tun hatte: Alle relevanten Informationen einholen, sie langsam und deutlich in das Funkgerät zu sprechen und drei Mal zu wiederholen, wie das für das GMDSS, das weltweite Seenot- und Sicherheitsfunksystem, vorgeschrieben ist. „Ich habe erst unlängst einen entsprechenden Kurs über den Yacht Club Austria bei Conny Schifter absolviert und das alles verinnerlicht.“ Huss hat mehr als 10.000 Seemeilen in seinem Logbuch stehen, hat den Offshore Sailing Instructor erfolgreich absolviert und ist Skipper seiner eigenen Hochsee-Regattacrew „Carinthian Gipsy Sailors“. Mit Skipper Peter Schicho und dessen Trinity hat Michael Huss bereits drei Mal erfolgreich an der Alpe Adria Sailing Week teilgenommen.

Sein Rat an alle Urlaubssegler: "Auch am Ankerplatz muss das Funkgerät mit Kanal 16 immer eingeschaltet sein. Es geht schließlich nicht nur darum, bei einem eigenen Notfall Hilfe erreichen zu können, sondern auch anderen in der Not helfen zu können".

Fotos: Seychelles News Agency und Nadezhda1906 /Shutterstock.com

 

 


 

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