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Was ist bloß mit den Skippern in aller Welt los?

Tashin Özen BLOG | 09.01.2017 - 03:47:01

Schon wieder ein verheerendes Schiffsunglück. Schon wieder Tote. Und schon wieder ein Kapitän, der unmittelbar nach dem Unglück das Weite gesucht hat. Nicht vergessen sind die 32 Opfer, die die Kollision der Costa Concordia mit einem Felsen vor der Insel Giglio im Jänner 2013 forderte. Genau genommen war es das Ego des Kapitäns Francesco Schettino, der so nahe wie möglich an der Küste vorbeifahren wollte – was ihm als grobe Fahrlässigkeit zur Last gelegt wurde. Viel schlimmer aber ist die Tatsache, dass Schettino das um ca. 22 Uhr Uhr leckgeschlagene Schiff schon um Mitternacht verließ, während die Evakuierung erst gegen 5 Uhr früh abgeschlossen werden konnte. Die Strafe: 16 Jahre Haft.

Foto: wikipedia

Jänner 2017, Indonesien: Ein defekter Stromgenerator setzt eine Fähre auf dem Weg von Jakarta zur Ferieninsel Tidung Island in Brand, 23 Menschen sterben, viele sind von den Flammen bis zur Unkenntlichkeit enstellt. 250 Seelen waren an Bord, 194 konnten gerettet werden, die anderen werden vermisst. Und der Kapitän? Wird später in Jakarta verhaftet, er soll die brennende Fähre als Erster verlassen haben.


Foto: orf.at, APA/AP/Dita Alangkara

Was wurde aus dem Grundsatz "Frauen und Kinder zuerst!"? Wieso schmeißen Schiffsführer, die die Verantwortung für hunderte – ja tausende Menschen an Bord haben, als Erste die Nerven weg und (ver)drücken sich? Hier den Moralapostel zu spielen, wäre fehl am Platz. Vielmehr geht es darum, zwecks Vorbeugung Antworten auf so schwerwiegende Fragen zu finden – schließlich ist bei Betrachtung der Unfallursachen ganz klar, dass das auch jedem Skipper passieren kann. Und jeder Skipper trägt grundsätzlich auch die zivil- und strafrechtliche Verantwortung für die Sicherheit von Schiff und Besatzung.
Nachdem der depressive Co-Pilot von Flug 4U9525 die Germanwings-Maschine 2015 in den Alpen zum Absturz brachte, wurden die psychischen Anforderungen und Tests für Piloten verschärft. Richtungsweisend auch für die (gewerbliche) Schifffahrt? Denn nicht jeder, der ein Schiff oder Flugzeug führen kann, ist automatisch auch ein Superman (oder eine Superwoman).
Diese zeigen sich übrigens oft dort, wo man sie nicht vermuten würde. Im Fall der Costa Concordia zum Beispiel in den Reihen der einfachen Handwerker: Der Bulgare Petar Petrow, erster Mechaniker an Bord, wurde für seinen Einsatz bei der Rettung von rund 500 Passagieren mit dem Bürgerpreis des Europäischen Parlaments geehrt. Er war unter den drei letzten Mitgliedern der Mannschaft, die das Kreuzfahrtschiff erst verließen, nachdem die Küstenwache die Rettungsaktion gänzlich unter Kontrolle gebracht hatte. Salut!
 


 

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